Die ersten Tage in Geesthacht – und erste „Quantensprünge“ (18.-20.10.2017)

Der Weg von Geesthacht nach Winsen beträgt mit dem Auto ca. 25min. Wir sind so froh, dass es uns vergönnt ist, in so erreichbarer Nähe diese Reha zu haben. Viele Menschen, die man dort trifft bzw. deren Kennzeichen man dort auf dem Parkplatz sieht, kommen von weither und sind wahrscheinlich familiär noch weitaus mehr auseinandergerissen als wir es sind… aber nichtsdestotrotz verlangt uns diese Situation viel ab. Solange mit unseren drei Mädchen alles einigermaßen läuft, ist es okay, aber wehe, eine wird krank oder so… wenn ich wieder arbeiten gehe, wird das schwer aufzufangen sein. Aber wir merken immer mehr, dass wir uns einzufinden haben in dieser Situation, dass das „von Tag zu Tag schauen“ ein Wesenszug unserer Zukunft (zumindest der kommenden MONATE) bleiben wird…
Und auch diese erste Station in der Reha-Klinik wird vorerst unser tägliches Anlaufziel – und vor allem: Samuels Zuhause bleiben. Es war schon ein ganz anderes Gefühl als im UKE, dass nun ein Schrank mit seinen Sachen gefüllt wird, dass eine Fensterbank so dekoriert wird, dass er vertraute Dinge dort wiederfindet. Es gibt eine Magnetpinwand für ihn… für Fotos, Grußkarten usw. Wie schön. Natürlich: wir hätten ihn lieber zuhause, in seinem Zimmer, würden ihm morgens, wenn er morgenmuffelig um 6.30h in die Küche kommt, seinen Kakao servieren („den hast du wieder auf 9 gekocht, Papa!“) und und und. Aber gemessen an den letzten drei Wochen sind wir froh, dass es jetzt so ist, wie es ist. Nun sollen auch langsam die Entzugs-Helfer-Medikamente runtergefahren werden… aber auch das dauert noch bis Anfang November… Geduld, immer wieder Geduld…
SEIN Kopfkissen, aus seinem Bett zuhause, darf nun auch sein Kopfkissen hier in Geesthacht werden. Und tatsächlich… langsam können wir auch dazu übergehen, dass er eine Hose anziehen und ein T-Shirt überstreifen kann. Wie gut. Auch andere kleine Schnuffelkissen hat er nun zum Polstern und zum „sich wohlfühlen“.
Mit Sorge wird gesehen, dass er sich durch das lange Liegen eine Druckstelle am Hinterkopf eingehandelt hat und auch eine an der Ferse des linken Beines, wo er ja geschient wurde (Unterschenkelbruch). Aber durch seine zunehmende Mobilität liegt er nun eben auch häufig seitlicher bzw. versucht sich sogar auf den Bauch zu legen (was aufgrund seiner Schlüsselbeinfraktur noch nicht so gerne gesehen wird), so dass die Druckstellen aber auch gute Chancen haben, abzuheilen…
Apropos Mobilität: da er sich nun häufig dreht, ist der Verband, mit dem die Schlüsselbein-Fraktur stabilisiert werden soll, auch eher nur „ständig verrutschende Deko“… aber wir kommen ja langsam aus der kritischen Phase für die Brüche raus, so dass das alles nicht mehr sooo dramatisch ist.
Mit zunehmender Wachheit nervt ihn auch seine Magensonde, die ja durch die Nase geführt wird – und die er sich auch schon das eine oder andere Mal rauszuppelt. Auch der Zugang, den er an der Hand hat, hält nicht lange… so dass man dazu übergeht, die Medikamente nun dann doch ausschließlich über die Magensonde zu geben… noch weniger „Kabellage“. Ach was sind wir froh, wenn diese ganze „Verdrahtung und Verkabelung“ ein Ende findet…
Aber wir dürfen dankbar festhalten, dass diese Mobilität vor allem ein gutes Zeichen ist (eine Physiotherapeutin meinte: „solch bewegliche Kinder haben ja eigentlich die besten Prognosen“)!
Auch die übrigen Beteiligten (Pflegekräfte, Ärzte) sind der einhelligen Meinung, dass Samuel „sehr gut dabei ist“. Worauf ist das begründet?
– es gab „auf Anweisung“ schon einige Reaktionen: Winken (!), Hände drücken, das Bein durchdrücken, Kopfnicken, Kopfschütteln, Lächeln, kurzes Fixieren des Blickes. HAMMER! HAMMER! Wir freuen uns sehr darüber und sagen Gott immer wieder DANKE!
der Pfleger, der für Samuel zuständig ist, meinte: „na, wenn der man nicht Weihnachten schon für ein paar Stunden zu Hause ist“
– die Ärztin, die ihn neurologisch begutachtet, sagte: „es gibt eigentlich medizinisch keinen Grund, nicht die vollständige Genesung von Samuel im Blick zu haben“
ja, es werden auch wieder harte Tage kommen. Nach den (O-Ton des Pflegers) „Quantensprüngen“ dieser Tage gibt es sicher auch wieder Rückschritte, Stagnationen, tränenreiche Tage. Aber wir sind nun definitiv auf einem guten – wenn wohl auch noch langen – Weg.
Gott sei Dank!
…seit heute weiß ich WIRKLICH, was Freudentränen sind!…
Und: keep on praying. Wir brauchen weiter Kraft, Liebe, Geduld, angstfreies Atmen, Geistesgegenwart!
Im Übrigen: morgen, am 21.10. hat Yvonne Geburtstag. Auf einem Samstag Geburtstag zu haben, ist eigentlich ein guter Anlass, zu feiern. Wir hatten auch schon eine lockere Raumanfrage gestartet. Aber das ist jetzt keine Option mehr… Wir wollen auch am 21.10. bei unserem Samuel sein – und auch ein bisschen Geburtstagsfeeling haben…

 

Eine Antwort auf „Die ersten Tage in Geesthacht – und erste „Quantensprünge“ (18.-20.10.2017)“

  1. Lieber Willem, ich begleite deine blogs mit viel Anteilnahme und Gebet. Ich freue mich, dass es nun deutliche Fortschritte in der Genesung von Samuel gibt. Mich beeindruckt, wie gut ihr eingebunden seid in Familie, Freundschaften und Gemeinde uns dass ihr so viel Hilfe erfahrt. Ich/wir hoffen, dass es weiter so aufwärts geht. Übrigens unser erstes Enkelkind heißt auch Samuel. Er wird im Januar 6 Jahre und sein Bruder Ole dann 2 Jahre alt. Die Familie wohnt nicht weit von uns entfernt. Liebe Grüße an deine Frau unbekannterweise und euch viel Kraft und Zuversicht!
    Amke

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