Der Freitag wird bestimmt von Gesprächen, die über die nähere Zukunft ein bisschen mehr Klarheit bringen!
Zunächst gibt es ein Gespräch mit dem Schulleiter der IGS über Samuels Wiedereinstieg. Es wird deutlich, dass der Wiedereinstieg Samuels in seine bisherige Klasse, verbunden mit dem Ziel, nach den Ferien in Klasse 7 weiterzumachen, ein zu hohes Ziel ist, das Samuel auf Dauer überfordern würde! Er hat, wenn er Anfang April zurück käme, den Lernstoff von der Hälfte des gesamten Schuljahres verpasst. Dazu kommt, dass er nicht von 0 auf 100 in die Schule zurück kommt, sondern langsam wieder einsteigen soll. Erst ein Block, dann zwei… Es ist für Lehrkräfte, Mitschüler und für ihn selbst – Hirnverletzung hin oder her – aufgrund der langen Fehlzeit einfach nicht sinnvoll, dort anzusetzen, wo er Ende September aufgehört hatte. So wird er die 6. Klasse wiederholen – und wir sind überhaupt nicht enttäuscht oder traurig oder „verstört“ deswegen. Am Ende können wir immer sagen: wenn es doch nur das ist, was er als Nachteil vorerst mit sich schleppt, können wir froh und dankbar sein. Wir hoffen nur sehr für ihn, dass es so tolle Klassenlehrer für ihn geben wird wie die beiden, die er bisher an der IGS hatte. Das bleibt natürlich noch abzuwarten. Samuel wird zu Beginn seines Wiedereinstiegs auf jeden Fall bis zu den Sommerferien auch eine Assistenz bekommen, also jemanden, der ihn unterstützt in den organisatorischen Dingen… Es ist ja doch einiges, was auf ihn einprasseln wird: der Lernstoff, das Leben in der Klasse, die Lautstärke – und dann noch: bitte dies einpacken, das auspacken, daran denken… das soll ihm zumindest ein wenig abgenommen werden.
Am Nachmittag gibt es dann auch noch ein Gespräch mit der behandelnden Ärztin, die Samuel schon seit der Aufnahme Mitte Oktober kennt. Sie betont noch einmal, wie sehr alle Therapeuten positiv angetan sind von Samuels Entwicklung; dass er sich einfach richtig gut macht – nach wie vor! Sie gibt mit Blick auf die Rückkehr in die Schule zu bedenken, ob es nicht sinnvoller sein könnte, wenn Samuel gar nicht erst in seine alte Klasse zurück kommt und dann nach den Sommerferien erneut in die 6. Klasse geht, sondern bereits nach den Osterferien in seine neue Klasse kommt. Es ist natürlich ein großer Schritt, nicht zurück in die vertraute Klasse zu kommen. Aber es wäre möglicherweise ungleich schwerer und „gemeiner“, wenn er zwar in seiner alten Klasse noch für drei Monate sein könnte, in dieser Zeit aber ständig das Gefühl hätte, abgehängt zu sein und gar nicht mehr mitzukommen…
Wir nehmen diese Anregungen mit nach Hause und denken weiter drüber nach, sind uns aber schon jetzt ziemlich sicher, dass es ein besserer Gedanke ist, ihn bereits nach Ostern in die neue Klasse gehen zu lassen – und er empfindet es glücklicherweise genau so.
Der Freitag Nachmittag wird in Winsen verbracht… ein kleiner Stadtbummel mit Mama und Geschwistern. Einfach schön, zwischendurch ein Eis… 😉
Ich verbringe einen sehr (!) langen Tag in Fuhlsbüttel. Bereits morgens um 8h fahre ich nach HH und erst abends um 23h bin ich wieder zu Hause. Wieder mal bin ich sehr froh über die Erfindung von WhatsApp, da ich über Bilder, Texte, Videos und Sprachnachrichten immer mal wieder einen ganz guten Einblick in das Leben meiner Familie bekommen kann. Das ist nicht dasselbe, wie selbst dabei zu sein – aber es ist wesentlich besser als nichts oder nur wenig mitzubekommen.
An diesem Wochenende verschiebt sich durch einen Arztbesuch am Montag (Augenarzt in Winsen) die Übernachtungsnacht. So ist Samstag Vormittag Abholen und Samstag Abend wieder hinbringen angesagt. Und zwischendurch? Ein toller Tag! Im Wesentlichen verbringen Samuel und ich diesen Tag miteinander – oder zumindest den Nachmittag! Zuerst „entern“ wir ein ortsansässiges Sportbekleidungs-Geschäft und Samuel packt ne Menge Gutscheine aus. Am Ende werden die Gutscheine da gelassen und dafür tolle neue Fußballschuhe und einige Shirts mitgenommen – eine super Ausbeute! Von dort geht es auf direktem Wege nach Soltau, in die Soltau Therme. Ein tolles Schwimmbad mit Sprungturm (1/3/5m), Riesenrutsche und einem ganz großen Thermalbereich mit außerordentlich salzigem Wasser 😉
Und mein Sohn?! Der nimmt seinem Papa die Angst vor dem 5m-Brett! JA, richtig! Ich bin glaub ich zuletzt als Jugendlicher vom 5m Brett gesprungen und hatte ordentlich Schiss… Aber als ich gesehen hatte, wie Samuel völlig problemlos diverse Male vom Einer gehüpft ist, lange Bahnen geschwommen, getaucht usw. wusste ich: im Wasser ist Samuel definitiv der „Alte“! Und als er meinte: ich möchte so gerne vom 5er springen, bitte, Papa… hab ich kurz überlegt, ob ich das wirklich… und schon standen wir oben, weil er sagte: Du musst aber auch springen! Gesagt, getan – einmal, zweimal, drölf mal. Herrlich. Es war für ihn nicht so einfach, sich im Schwimmbad zu orientieren, daran habe ich schon gemerkt, dass es noch anders ist als vorher. Aber was die Bewegungen im Wasser betrifft, war alles wirklich vollkommen okay. Und das alleine war für mich ein riesen Grund zur Freude. Als wir raus kommen, ist es schon richtig dunkel und wir müssen uns beeilen… Schnell noch zu Hause etwas Leckeres gegessen (Couscous-Auflauf, eine neue Lieblingsspeise zu Hause!) und dann ab nach Geesthacht. Am Ende dieses Tages ist Samuel ziemlich knülle und freut sich auf sein Bett.
Der Sonntag morgen startet für uns alle nicht so dolle, weil die Nacht einfach nicht gut war… Elisabeth hat sich „was eingefangen“ und wenn die Kleinste leidet, tut sie das so laut, dass alle anderen auch nicht schlafen dürfen… Am Sonntag morgen kommt Samuel gegen 9h nach Hause und wir sind anschließend irgendwie zu nicht viel fähig… So muss der Gottesdienst-Besuch flach fallen, wieder mal. Schade. Aber es gibt solche Zeiten und es kommen bald auch wieder andere.
An diesem Sonntag scheint die Sonne, weswegen Samuel auch gerne wieder draußen Fußball spielen möchte. Leider ist der Sonnenschein keine Garantie für Wärme und nachdem wir eine gute halbe Stunde geschlottert haben, geht’s wieder in die warme Stube. Dieser Tag verläuft im Weiteren unspektakulär, zwischendurch hat Samuel auch das eine oder andere Mal „kundgetan“, dass ihm langweilig ist. Aber auch das gilt es auszuhalten. Es ist natürlich auch ein bisschen anders als er das sonst kennt: an früheren Tagen konnte er einfach mal zu Freunden düsen und schauen, ob sie Zeit haben. Jetzt merkt er schon, dass wir ihn einfach noch nicht alleine los lassen können, er ist noch nicht „straßenverkehrstauglich“…. Wir sind als Familie auch nicht besonders aktionsfreudig an diesem Tag aufgrund der letzten Nacht und dem Gesundheitszustand von Elisabeth. Er macht trotzdem das Beste draus… spielt mit Charlotte, quatscht mit Katharina, schreibt mit Freunden WhatsApp… und realisiert, dass es nur noch 4 Nächte sind, bis er Geburtstag feiern kann! Die erste dieser vier Nächte verbringt er wie gesagt Zuhause – und er freut sich schon auf den Montagmorgen, an dem er auch seine Klasse besuchen darf.
Aber davon – und von seinem Geburtstag und den Tagen dazwischen – im nächsten, im vorerst letzten Blog…
