Diese Woche ist unspektakulär und läutet zugleich auch das Ende der Blog-Zeit ein…
Es ist merkwürdig: dieser Blog ist ja seit Oktober ein stetiger Begleiter der Zeit seit Samuels Unfall. So viel wurde hier festgehalten. Aufs und abs, besondere Ereignisse, Zwischenfälle, Quantensprünge und und und… Von Anfang an war klar, dass dieser Blog in erster Linie zweierlei Absichten verfolgt: zum einen für uns selbst all die Geschehnisse und auch die damit verbundenen Gefühle nachzuzeichnen – und zum anderen für diese aus Samuels Sicht erinnerungslose Zeit diese Erinnerungslücke für ihn zu schließen.
Sicher: Anfangs wussten wir überhaupt nicht, ob er überleben würde. Dann wussten wir nicht – zumindest nicht durch entsprechende Diagnosen – wie er überleben würde, mit welchen auch dauerhaften Beeinträchtigungen zu rechnen sein würde (ich kann mich noch gut an die Tage und Wochen erinnern, wo ich Angst hatte, dass Samuel im Wachkoma bleibt oder eben ein Mensch, der relativ apathisch auf die Welt um ihn herum reagiert… – wäre es so gewesen… wer weiß, wie viele Monate und vielleicht sogar Jahre dieser Blog fortbestanden hätte…)
Von Anfang an hatten wir aber die starke Gewissheit und Zuversicht, dass es einen Weg zurück für Samuel geben wird bzw. auch das starke Vertrauen auf Gott und den Glauben an seine wunderbaren Kräfte – und irgendwann, als immer deutlicher wurde, dass der Weg der Genesung einer sein kann, den Samuel wirklich überwiegend erfolgreich bestreiten würde, war für mich klar: dieser Blog wird dann ein Ende finden, wenn Samuel in der Lage sein wird, selbst zu erinnern bzw. auch für sich zu dokumentieren, was passiert. Sicherlich: meine Sichtweise, meine Gefühle wird Samuel ja so nicht wahrnehmen und schon gar nicht dokumentieren – und so fällt natürlich auch etwas weg, was in diesem Blog viel Raum hatte. Aber ich möchte ja auch früher oder später wieder in einen normalen Umgang mit dem finden, was mich daran bewegt – das muss ja nicht bis ans Ende meiner Tage ein so öffentlicher Weg sein, wie es dieser Blog ist/war. Von daher: wer mit mir verbunden ist, wird ja auch in Zukunft auf andere Weise die Möglichkeit haben, zu erfahren, wie es mir geht – genauso wie andersrum…
Lange Rede, kurzer Sinn: mit dem Tag seines 12. Geburtstags am 18. Januar diesen Jahres darf dieser Blog auch sein Ende finden. Seit diesem Montag, dem 8.1., führt Samuel ein „Logbuch“, wie er es auch aus der Schule kennt, und zeichnet dort die für ihn wichtigsten Ereignisse nach, so dass es nicht mehr nötig ist, hier quasi Doppelungen nachzuzeichnen. Bis zu seinem Geburtstag werde ich das noch tun – aber dann ist „Schluss“ hier – zumindest, was regelmäßige bzw. tägliche Berichte angeht. Ich denke, ich werde noch bis zu seiner endgültigen Entlassung aus Geesthacht immer mal wieder über besondere therapeutische Erfolge berichten oder über andere Dinge, die mich im Zusammenhang mit seiner Entwicklung bewegen – einfach auch, damit ihr, die ihr schon so lange „mitgeht“, so ein bisschen am Ball bleibt, was Gebetsanliegen und Gebetserhörungen (bzw. Anfechtungen) angeht…
Wenn Samuel dann zu Hause ist, werden wir wohl auch noch einige Monate spüren können, dass noch nicht die Normalität da ist, die es vor seinem Unfall gab, nichtsdestotrotz werden wir dann wieder als eine „normale Familie“ leben, die das, was sie bewegt, nicht „online ausbreitet“…
Aber wie gesagt: ein paar Tage des Blogs bleiben noch. Für diese Woche ist es allerdings wirklich nicht viel, was erwähnt werden müsste. Am Montag bekommt Samuel Besuch von Yvonne, an diesem Tag gibt es aber auch keine weiteren Dinge, die festzuhalten sind. Es geht Samuel weiterhin gut, sehr gut sogar, manchmal sogar „zu gut“, was sein Verhalten bzw. sein „nicht-hören-wollen“ angeht – aber das Thema hatten wir ja schon mal… Wir (Eltern) sind der Meinung, dass dies weniger mit den Unfallfolgen (und einer daraus resultierenden neurologisch bedingten Verhaltensstörung) zu tun hat als vielmehr damit, dass Samuel immer schon ein sehr starkes ECHO auf die Menschen gegeben hat, die ihn umgeben. Schon früher (in Kita-Zeiten) gab es Freunde, mit denen man ihn bedenkenlos stundenlang allein lassen konnte – und es gab das Gegenteil. Je nachdem, mit wem Samuel zusammen war – hinterher konnten wir das immer auch an seinem Verhalten ablesen. Und so ist es auch jetzt: manch „ungebührliches Verhalten“ kommt einfach auch daher, dass er mit den entsprechenden Kindern umgeben ist, die „seiner Lust an der Etikette“ nicht unbedingt förderlich sind… An diesem ersten Logbuch-Tag wird die Eintragung auch gleich mal vergessen, so dass er am Dienstag damit zu tun hat, gleich zwei Tage zu erinnern. Das ist ziemlicher Stress, gelingt aber doch relativ gut. Für Mittwoch bleibt zu erwähnen, dass Yvonne und ich ein erstes Gespräch mit der Psychologin in Geesthacht haben, die Samuel jetzt betreut. Es ist ein gutes und wertschätzendes Gespräch, in dem auch noch mal deutlich wird, dass Samuel auch aus ihrer Sicht schon sehr gut und sehr weit entwickelt ist. Viel mehr gibt es darüber eigentlich zum jetzigen Zeitpunkt gar nicht zu sagen. Es werden weitere Gespräche folgen und wir werden natürlich nun auch so nach und nach Testungen für Samuel in den unterschiedlichen Bereichen haben, an denen eben auch festgestellt werden soll, welcher Therapiebedarf in den noch verbleibenden Wochen da ist und wie die optimale Förderung seiner noch vorhandenen Defizite sein kann. Zur Zeit sind da vor allem noch die Merk- und Konzentrationsfähigkeit zu nennen – auch wenn wir den Eindruck haben, dass auch hier sich irre viel getan hat in den letzten Wochen… Aber es ist eben noch nicht wieder auf dem Stand wie vorher – und da wollen wir ja gerne wieder mit ihm hin… Aber so wird eben auch nun vor allem im Bereich Hirnleistung immer mehr trainiert und wir sind gespannt, welche Früchte das tragen wird.
Ansonsten bliebe noch zu erwähnen, dass für kommenden Montag ein Besuch Samuels in seiner Klasse angedacht ist – und schon leichte Gedanken in die Richtung gehen, wie es dann nach seiner Rückkehr in die Schule aussehen könnte. Doch dazu gibt es im nächsten Blog mehr zu sagen, denn: am Freitag, 12.1. finden wichtige Gespräche statt – zum einen mit der Schulleitung der IGS und zum anderen mit der Stationsärztin in Geesthacht.
Doch davon wie gesagt mehr im nächsten Blog.

Wow, das freut mich zu lesen ! Habe deinen Block nicht durchweg aufmerksam verfolgt, weil ich nicht regelmäßig (nicht täglich) am Computer sitze…aber das jetzt zu lesen ist doch ein große Erleichterung. LG Gabi